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Der hl. Nikolaus

Man vermutet, dass sich hinter seinem Namen und seiner Gestalt zwei Persönlichkeiten verbergen:
ein Bischof von Myra in Kleinasien (um 300)
und ein Abt Nikolaus von Sion, der Bischof von Pinora war und am 10. Dezember 564 starb.
Aus der Gleichsetzung dieser beiden Heiligen erwuchs offenbar die Gestalt des wundertätigen Bischofs Nikolaus von Myra, dessen Kult zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert im byzantinischen Reich eine große Rolle spielte.
Seinen Ruf als besonders wirksamer Nothelfer verdankte der hl. Nikolaus vor allem der Wundertat von der Errettung dreier unschuldig verurteilter Feldherren vor deren geplanter Hinrichtung.
Man sah in der Gestalt des hl. Nikolaus einen
>Hyper-Hagios< den hl. Retter schlechthin, der ungerechtfertigt Verurteilte und Gefangene befreite, aus Todesgefahr erlöste und ebenso bei Armut, wie bei jeder anderen Not helfe.
Er ist nach dem hl. Martin am 5. November der zweite Lichtbote in der vorweihnachtlichen Adventzeit

Die Prüfung des Nikolaus
Nachdem zu Beginn des 17 Jhd. die Evangelisten damit begonnen hatten, in der Adventzeit durch Spiele mit dem Christkind – das gewöhnlich durch einen Erwachsenen, meist eine junge Frau dargestellt wurde – die Religionskenntnisse der Kinder zu überprüfen, antwortete die katholische Kirche damit, dass sie die Belohnungen, die vom hl. Nikolaus erwartet wurden, prinzipiell von einer bräuchlich vollzogenen Prüfung der entsprechenden Kenntnisse in den Grundlehren des katholischen Glaubens abhängig machte.
Seit dem frühen 17. Jahrhundert trat der Nikolaus mit seinen Begleitern, Engeln und Teufeln auf um diese Prüfung vorzunehmen.
Es lassen sich auch sämtliche Krampusspiele, die einem historischen Ursprung nach überliefert wurden, auf diese Epoche zurückverfolgen.

Der Auftrittsvers des Nikolaus

Gott grüß euch liebe Kinderlein,
Ihr sollt Vater und Mutter gehorsam sein,
so soll euch was Schönes bescheret sein.
Wenn ihr aber dasselbige nicht tut,
so bring ich euch den Stecken und die Rut. Amen


 



Krampus

Das ursprüngliche Motiv in den Vorgängen am Vorabend des 6. Dezembers lag in dem heidnischen Glauben, wonach im Frühwinter mancherlei Geister der Finsternis und des Frostes die Menschen bedrohen.
Zu ihrer Vertreibung wurden Schreckgestalten auf den Weg geschickt, die durch ihr Aussehen und ihre Lärmentwicklung den Kampf gegen die unsichtbaren Mächte aufnahmen.
Diese durchwegs „dunklen“ Gestalten sind die Vorläufer des heutigen Krampus.

Aussehen-Maske
Fein geschnitzt, mit menschlichen Zügen (ein Gesicht). Dadurch zeigt er, dass er vom Menschen geschaffen wurde und von ihm abstammt.
Es wurden ihm jedoch tierische Attribute, wie Fang- oder Reißzähne, die spitzen Ohren der Fledermaus, teilweise Katzenaugen verliehen, die jedoch alle eine eigene Bedeutung hatten. Somit verarbeitete die Bevölkerung der damaligen Zeit ihre Urängste und übertrug sie auf den unsichtbaren Feind.

Fang- oder Reißzähne:
Sie sollten die Gefährlichkeit dieser Figur zeigen, denn gefletschte Zähne sind ein Zeichen für enorme Gefahr

Fledermausohren:
Sie bedeuteten dass diese Figur nicht fassbar ist, das kleinste Geräusch hört und sehr böse ist. (Es gibt überlieferte Darstellungen aus dem frühen Mittelalter in denen der Teufel mit Fledermausflügeln abgebildet ist)

Katzenaugen:
Sie zeigten die beinahe unheimliche Sehfähigkeit dieser Figuren auch bei Dunkelheit

Fell und Ausstattung
Das Fell soll von einer Geißenart stammen um das Bockige, Aufsässige bzw. Unbeugsame des Krampusses darzustellen.
Behörnung ebenfalls von Ziegenböcken. (Antilopen, Kudos, Springböcke, Hochlandrinder, und dergleichen wären nicht zulässig, werden aber heutzutage gern verwendet, da sie durch ihre enorme Größe äußerst spektakulär aussehen)
Die Krampusrute ist richtig dargestellt wenn Birkenzweige verwendet wurden und sie mit einem roten Schnürband gebunden ist. (Die Birkenzweige symbolisieren das schlafende bzw. wiedererwachende Leben und das rote Schnürband versinnbildlicht die Farbe des Blutes)
Die Berührung mit der Rute bedeutete somit den Wunsch nach Glück und Fruchtbarkeit.
Ebenso hatten es die Bauern gern, wenn die Krampusse mit gesenkten Ruten über die Felder liefen und dadurch böse Geister von ihrem Besitz fernhielten. Dies wiederum ließ auf eine gute Ernte im darauffolgenden Jahr hoffen.

Nigl (Nügü)
Im südlichen Oberösterreich wird der Krampus als „Nügü“ bezeichnet, was jedoch nichts mit dem Namen des Nikolauses zu tun hat.
Der „Nügü“ ist zurück zu führen auf den Dialekt des ehemaligen österreichisch. Schlesien und bedeutet zornig oder unmutig.
Dies weist wiederum auf einen bösen, neckenden Berggeist hin, der uns noch heute durch unseren Sprachgebrauch als „Zornniggl oder Bosniggl“ bekannt ist.

 


Der Percht

Perchten in ihrer ursprünglichen Form sind äußerst selten geworden und vielerorts bereits verschwunden. Sie sind die Vorläufer des Krampusses und Relikte längst vergangener Naturreligionen und somit absolut heidnischen Ursprunges.
Funde früher Felszeichnungen, die einen kultischen Kopfschmuck darstellen ähneln verblüffend den Masken von Tiroler Schemenläufern (Perchten).
Da die kath. Kirche jedoch heidnische Figuren nicht brauchen konnte wurden ihnen immer mehr teuflische Fähigkeiten angedichtet bis sie schließlich als die Teufelsknechte schlechthin bezeichnet wurden.
Sie waren ursprünglich ein Symbol für die unbändige Kraft der Natur, somit extrem gefährlich und unkontrollierbar. Ihr Ursprung liegt im Tierreich, ist jedoch nicht genau festzustellen, dürfte aber auf eine Zeit zurückgehen als die Menschen sich noch Götzen schufen, die sie verehrten und fürchteten.
In dem Wort „Percht“ ergibt sich eine Verschmelzung von zwei Bedeutungen.
Einerseits bedeutet es bärtig, zottelig oder haarig, andererseits schön bzw. glänzend. Aufgrund dieses Umstandes sind "Schiach-" und "Schönperchten" (Glöckler) entstanden.
Der erste überlieferte Unhold ist eine weibliche Gestalt, die als die germanisch, keltische Göttin
„Perchta, Berechta, Pechtra, Perscht, usw.“ definiert ist. So schillernd, wie ihr Name ist ihr Wesen. Halb Mensch, halb Dämon, ist sie einmal schön, feenhaft und glückbringend, öfter aber böse, tückisch und hässlich. Ein zerlumptes altes Weib mit wirrem Haar, einem Schlapphut und einer spitzen langen Nase, das man fürchten muss. Sie ist bewaffnet mit einem Besen, einer riesigen Schere oder einer Mistgabel.
Es ist eine Sage überliefert, wo sie als Tochter des Herodes beschrieben wird, die zur Strafe dafür, dass sie das Haupt des Johannes verlangt hatte, in die Frau Percht verwandelt wurde. Hier ist eindeutig der Versuch der kath. Kirche ersichtlich, heidnischen Ursprüngen einen christlichen Anstrich zu geben.

Aussehen-Maske
Holzgeschnitzt, mit groben menschlichen Zügen, langen, unförmigen Zähnen oder Schäbeln und mehreren Hörnerpaaren.

Fell und Ausstattung
Das Fell hell, gefleckt, wie in der Natur vorkommend.
Schellen, die wie der Perdeschweif ebenfalls das Teuflische symbolisieren.

Die Perchten waren und sind noch immer wilde Gesellen. Früher kam es oft zu wüsten Raufereien, wenn etwa Perchten aus verschiedenen Dörfern oder Zügen aufeinander trafen, oder wenn sich ein Percht in einen fremden Zug schmuggelte; der Betreffende riskierte für den leibhaftigen Teufel gehalten und erschlagen zu werden. Es gibt einen belegten Fall, dass dies tatsächlich passiert ist. Man kann dieses Verhalten noch heute in den sogenannten „Kometkämpfen“ sehen, die jedoch nur mehr spielerisch die gegenseitige Stärke andeuten sollen.
Wer im Perchtengewand mit der Teufelsmaske um`s Leben kam, dem war ein christliches Begräbnis verwehrt und es kam mehrfach dazu, dass die betreffenden, verstorbenen Perchtenläufer im Wald verscharrt wurden.

Da es nicht immer mit rechten Dingen zuging und zu extremen Ausschreitungen kam, geht auch daraus hervor, dass die Bischöfe immer wieder versuchten das Perchtenlaufen zu verbieten. Aus einem Hofgerichtsbefehl aus dem Jahre 1730 in der Erzdiözese Salzburg ersieht man dieses Verbot und begründete dies im Urteil: „Damit die Schranken christlicher Zucht, Ordnung und Ehrbarkeit nicht überschritten werden.“
Das das jedoch nichts bewirkte zeigt eine Akte aus dem Bistum Salzburg im Jahre 1763, wo ein gewisser Peter Kalsleitner aus der Gegend von Radstadt „zur Strafe wegen verbotenem Perchtenlaufens“ zum Militär einrücken musste.
Die Perchten waren in sämtlichen vier Rauhnächten unterwegs, wobei in der letzten Forstrauhnacht am 5. Jänner ihr letztes Erscheinen war.

Es gibt vier Rauhnächte, wie ein Sprichwort besagt:
„Der Rauhnacht, do san viere, zwoar foarste und zwoar dire!“ und das sind der

21. Dezember (Thomasnacht)

24. Dezember (Christi Geburt, „Percht- oder Reriglnacht“)

31. Dezember (Silvester)

5. Jänner (Forstrauhnacht vor hl. drei König)

Warum diese Nächte als Rauhnächte bezeichnet wurden ist nicht genau festzustellen.

Es gibt zwei Deutungen.
Einerseits vom „Rauchen gehen“ was vielerorts noch in der heutigen Zeit hochgehalten wird und ursprünglich böse Geister durch die Beigabe von Weihrauch vertreiben und bannen sollte und andererseits vom wilden,„rauhen“ Umgang durch die Perchten. In diesen Nächten und über diese Nächte erzählte man sich die verschiedensten, unheimlichen Mythen, Sagen und Legenden.

 


Begleitende Figuren

Nigloherr und Niglofrau
Die Beiden haben ihr Urbild in den germanischen Gottheiten „Wodan“(Odin) und „Perchta“, die um diese Zeit auch im „wilden Gjoad“ die Menschen heimsuchen.
Der Nigloherr, angezogen wie ein „Herr“, also in städtischem Gewand und die Niglofrau in einem weißen Gewand, mit einem Schleier über den aufgelösten Zöpfen und den Gabenkorb im Arm.
Erst im Jahre 1880 trat im Gastnertal an Stelle des Nigloherrn der Bischof Nikolaus auf.

Das wilde Gjoad (die wilde Jagd)
Es ist ein gespenstischer Zug von Geistern und Fabelwesen, wiehernden Rossen und heulenden Hunden. Es erhebt sich nachts oft lautes Wehklagen, welches schnell näher kommend in der Luft dahinzieht und in der Ferne verschwindet.
An der Spitze des Zuges der leibhaftige Teufel selbst, mit einem Pferdefuß und einem Bockfuß. Mit ihm eine Schar von wilden und schrägen Gestalten.(Leutfresser, Dämonen, Höllengestalten). Hinterher ein Zug von Heiden, bestehend aus lauter kleinen Kindern, die noch vor der Taufe gestorben, somit mit der Erbsünde behaftet sind und noch keinen Namen haben.
Angeführt von der Permutter (Perchta), das ist die Heidenmutter, ziehen die kleinen Gestalten - wehklagend und mit weißen Hemden bekleidet- als Schluss dieser wilden Jagd dahin. Gab man dem letzten Kind in dem Zug einen Namen oder bedauerte man es, so erlöste man es aus seiner Qual.
(Überliefert sind die Namen „Wauckerl“ oder „mei du armes Zodawascherl“)
Wer jedoch den Weg nicht verließ oder ein Hufeisen samt Nägeln eingeschoben hatte, dem konnte das „wilde Gjoad“ nichts anhaben und der blieb verschont.
Ebenfalls hackten früher die Holzknechte, wenn sie am Wegesrand stehende Bäume fällten, in den Baumstrunk drei Kreuze. Dort durften sich die armen Seelen bei ihren nächtlichen Jagden ausruhen.

Die Engel
Kommt vom lateinischen Angelus (Bote). Sie symbolisieren neben dem Nikolaus das Licht Gottes und sind ein Zeichen für dessen Allgegenwart auch unter Dämonen und Teufeln.

Habergeiß
Sie ist einer dieser uralten und typischen Naturdämonen, die oft in Zusammenhang und im Zusammenspiel mit der Frau "Perchta" auftraten. Sie ist jene Figur, die früher in den Häusern bzw. Gehöften, vor allem von Frauen in heiratsfähigem Alter am meisten gefürchtet wurde. Sie achtete auf die Einhaltung sämtlicher Vorgaben des Gutsherren, auf den tadellosen Lebenswandel der weiblichen Bediensteten und ebenfalls auf penibelste Ordnung und Sauberkeit. Fand sie Grund zur Beanstandung so wurde dies ohne Rücksicht auf den Gutsherren aufgezeigt und die betreffende Person den Perchten zu Bestrafung übergeben.
Eine Beanstandung der Habergeiß wurde als schwere Schmach und Schande empfunden und die betreffende Magd war gebranntmarkt als unsauber, unordentlich und somit nicht für die Ehe tauglich.

Wald- oder Grassatmandl
Ihr Sinn besteht darin zu zeigen dass sogar die Natur zum Leben erwacht um vor den Teufeln und Dämonen fliehen zu können. Weiters sind sie ein Symbol für die im Winter schlafende Natur.

Jäger oder Jaga
Mann kann öfters beobachten dass der Teufelsweiser als Jäger dargestellt wird und der Teufel durch ihn von seinem Vorhaben, Seelen zu verführen bzw. zu holen, zurückgehalten wird.
Dies begründet sich dadurch dass die Jäger in früherer Zeit die verlängerten Arme der irdisch eingesetzten Vertreter Gottes auf Erden (Grafen, Fürsten....) waren. Sie hatten somit die Berechtigung Alles und Jedem zu gebieten und ihnen musste jeder Mensch gehorchen, auch sämtlichen teuflischen Mächte.
Nicht zulässig ist die Darstellung durch Wilderer mit rußgeschwärztem Gesicht, da diese die bereits verführte Seele darstellen.

Schmied

Man sagte ihnen nach mit dem Teufel im Bunde zu sein, da sie Eisen mittels des „Feuers der Hölle“ verbiegen und bearbeiten konnten. Weiters entstanden durch den Funkenflug der Öfen immer wieder verheerende Brände. Daher wanderten immer mehr und mehr Schmiedewerkstätten aus den Ortskernen in abgelegenere Bereiche der Dörfer ab und fortan war die Arbeit des Schmiedes für die übrigen Dorfbewohner nicht mehr einsehbar und daher unheimlich.
Ein typische Brauch ist das „Anklampfen“ (Festnageln) der Menschen um diese an der Flucht zu hindern und ihnen den leibhaftigen Teufel vorführen zu können.
Ebenso das „Rußschwärzen“, das die Bevölkerung mit den Schmiedegesellen gleichsetzen sollte.

Leut- oder Seelenfresser

Eine Figur, die einen Wildsauschädel oder anderen Tierkopf (Adler, Bär, Luchs oder Wolf) statt des Menschenhauptes auf den Schultern trägt, Krallen statt der Hände und anstelle der Füße Perdehufe, die mit Macht in den Boden stampfen.
Er ist als typischer Percht überliefert, ebenfalls wie die Habergeiß, einer dieser altüberlieferten Naturdämonen, halb Mensch, halb Tier. In dieser Gestalt wurden die vorher angeführten Tiere dargestellt, da sie auf Grund ihrer Kraft bzw. ihres Verhaltens gefürchtet oder als Nahrungskonkurrenten angesehen wurden.

Tod
Er versinnbildlicht das letzte Gericht, den Scheideweg zwischen Himmel und Hölle. Die Figur, die alle Seelen der Verstorbenen abholt und ihrer Bestimmung zuführt.
Interessanterweise sieht man in vielen Krampus- und Perchtenspielen, dass der Tod dem Teufel, der gekommen ist um eine Seele zu verführen gebieten kann.

Der Klaubauf, Bartl, Bachtl
Seine Name kommt von seiner Aufgabe.
Er sollte schlimme Kinder aufklauben und in seinen „Buckelzeger“ (Korb) stecken.
Er ist umgürtet mit Ketten, die seine Gefangenschaft in der Hölle zeigen von der er durch den hl. Bischof befreit wurde, da er seine Taten bereut hat.
Durch diese Reue ist er vielerorts mit einem weißen, bzw. hellen Fell zu sehen, das die gereinigte, geläuterte Seele bedeutet. (Hier ist ebenfalls der Versuch der Kirche ersichtlich einer heidnischen Figur eine christliche Bedeutung zu geben)

 

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